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Wir lernen Russisch!

Russisch ist eine junge Sprache, entstanden vor etwa 1000 Jahren mit der Christianisierung des Ostens. Als eigentliche Schriftsprache erlangte sie erst im 19. Jahrhundert durch den Dichter A. S. Puschkin ihre Bedeutung.

Die Sprache ist voller Energie und junger Lebenskraft. Während das Englische stark verbal, das Deutsche stark substantivisch ausgerichtet ist, überwiegen im Russischen die Adjektive. In der russischen Sprache lebt sehr stark das gefühlsmäßige Verhältnis des Menschen zur Welt.

Die vorherrschenden Vokale im Russischen sind A, O und U.

Interessant ist, dass die deutsche Sprache im Laufe der Jahrhunderte viele A, O und U abgeworfen hat und viele E und I gewonnen wurden.

Das heißt, dass die deutsche Sprache im Laufe der Jahrhunderte immer unmusikalischer geworden ist (R. Steiner: „Eurythmie als sichtbare Sprache“).

Russisch ist eine flektierende Sprache, d.h. die Endungen sind unterschiedlich.

Im Russischen gibt es 6 Fälle mit unterschiedlichen Deklinationsklassen. Diese und die unterschiedlichen Deklinationen für Substantive, Adjektive, Pronomen und Zahlwörter sorgen für eine Fülle an verschiedenen Endungen und Formen. So schult das Erlernen der russischen Grammatik das analytische Denken und schafft allgemein gute Voraussetzungen für das Sich-Erarbeiten weiterer Sprachen – es leistet damit Ähnliches wie das Latein in der klassischen Bildung.

Das Lernen des kyrillischen Alphabets stellt eine Herausforderung an die Schüler dar, entwickelt aber auch ihren Lernwillen und erfüllt sie bei der Bewältigung dieses Lernziels mit einem besonderen Stolz.

Russisch fördert die emotionale Entwicklung der Kinder. Durch seine Klangfülle spricht die russische Sprache die Kinder unmittelbar an. Harte und weiche Konsonanten sowie offene Vokale geben dem Russischen einen wohlklingenden, melodischen Charakter und wirken sich ausgleichend auf das Seelenleben der Kinder aus. Sie lernen die Sprache in ihrer Ganzheit mit vielen chorischen und musikalisch-rhythmischen Elementen. Die Schüler schlüpfen im jungen Alter in die Sprache hinein und machen mit, was ihnen vorgemacht wird.

Die russische Sprache hat eine prägende Wirkung auf die verfeinerte Ausbildung des Gehörs, wie der französische Audiologe A. Tomatis in seinen Forschungsarbeiten belegte.

Russisch wird geografisch gesehen auf einem Sechstel der Erde gesprochen und gehört zu einer der Weltsprachen.

Seit der politischen Wende haben die wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland stark zugenommen und es werden im Wirtschafts- und IT-Bereich verstärkt russischsprechende Fachkräfte gesucht.

Das Lernen der russischen Sprache schafft eine Brücke zur slawischen Kultur und zum slawischen Sprachraum. Neben der Landeskunde sind die russische Literatur und Geschichte Gegenstand des Unterrichts. Diese Inhalte helfen, die deutschen Schüler für die Mentalität und Kultur Osteuropas zu öffnen.

Die Zahl der Russisch lehrenden Schulen steigt auch in Baden-Württemberg beständig.

Die klassische russische Literatur und Musik ist ein wichtiger Teil des europäischen Kulturguts.

Wir lehren an der Waldorfschule Silberwald Englisch und Russisch, weil wir es für wichtig halten, unseren Schülern zwei Sprachen von völlig unterschiedlicher Seelenstimmung, verschiedener Sprachfamilien und der umfassenden Orientierung nach Ost und West mit auf ihren Lebensweg zu geben.

In der Kindheit sind die Sprachorgane und das Gehör in ungeformtem, plastizierbarem Zustand. Die Erfahrung und wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass die Kinder bis zum  12. Lebensjahr die einzigartigen und besonderen Laute einer Fremdsprache exakt aufnehmen und aussprechen können. So werden durch genaues Hinhören das Gehör ausgebildet und durch das Ringen mit den fremden Lauten einer Fremdsprache die Sprachorgane entwickelt.

Man kann sich vorstellen, dass der Mensch durch den Atmungsprozess den Luftstrom der eigenen Umgebung aufnimmt, diesen dann mit Hilfe seiner Sprachorgane zu Lauten, Worten und Sätzen umgestaltet und in Form einer Sprache an seine Umgebung zurückgibt. So wirkt die Sprache bis ins Innerste des Menschen hinein, bis hin zur Organbildung.

Das  Erlernen fremder Sprachen erfordert ein genaues Hinhören der Kinder und ein Bemühen die neuen Laute richtig auszusprechen.

 

Zitat von R. Steiner:

„Die Sprache, die der Mensch als seine Muttersprache aufnimmt, wurzelt sich ganz tief ein in das Atmungssystem, in das Zirkulationssystem, in den Bau des Gefäßsystems, so dass der Mensch nicht nur nach Geist und Seele, sondern nach Geist, Seele und Körper hingenommen wird von der Art und Weise, wie sich seine Muttersprache in ihm auslebt. Aber wir müssen uns durchaus klar darüber sein, dass die verschiedenen Sprachen in der Welt in ganz verschiedener Art den Menschen durchdringen und das Menschliche offenbaren. Das macht eben durchaus nötig – wenn wir dem Menschen heute eine rein menschliche, nicht eine spezialisiert menschliche, volksmäßige Bildung und Erziehung geben wollen, – dass wir tatsächlich in Bezug auf das Sprachliche dasjenige, was aus dem Sprachgenius heraus von der einen Sprache her über die menschliche Natur kommt, durch eine andere Sprache ausgleichen.“

Aus diesem Grund werden an den Waldorfschulen ab der ersten Klasse zwei Fremdsprachen unterrichtet, zwei Fremdsprachen, die sich völlig voneinander unterscheiden, um Einseitigkeiten der eigenen Sprache zu korrigieren und gleichzeitig besonders starke Elemente einer Fremdsprache durch eine zweite in einen harmonischen Zusammenhang zu bringen.

Sprachlehrerkollegium der Waldorfschule Silberwald

Stand: August 2016